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AudioBook: Dr. Mabuse, der Spieler - Roman by Norbert Jacques
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Dr. Mabuse, der Spieler
I
Der alte, vornehme Herr stellte sich selbst vor. Wie üblich, verstand niemand seinen Namen. Aber er war elegant gekleidet, in diskretes, bestes Tuch. Als Anstecknadel trug er eine einfache weiße Perle, etwas barock, aber von der Reinheit eines blonden Frauenrückens, wie Karstens sagte. Er legte 20.000 Mark vor sich auf den Spieltisch.
Der junge Hull, Spross eines Industrie-Millionärs, dessen Reichtum ihm sein Vater großzügig überlassen hatte, hatte ihn mitgebracht.
Man begann sofort zu spielen. Der Gast nahm mit einer stummen Verbeugung das vorgeschlagene Spiel an: Einundzwanzig. Die Einsätze waren unbegrenzt. Ritter hielt zuerst die Bank.
Zunächst zeigte das Spiel keinerlei Besonderheiten. Verlust und Gewinn wechselten reihum.
Aber bald begann Hull zu verlieren. Das setzte fast in demselben Augenblick ein, als die Reihe, die Bank zu halten, an den alten Herrn kam. Hull verlor zuerst Hunderter. Er spielte gelassen, ergeben in sein Missgeschick. Vor dem alten Herrn mischten sich kleinere Scheine in den Haufen von Tausendern, die er vor sich hingelegt hatte.
Nur nach außen spielte Hull gelassen. Innerlich befand er sich in einer fieberhaften Erregung. Schleier zogen vor seinem geistigen Auge hin und her. Seine Scheine wechselten den Besitzer hinüber zum Gast, ohne dass er es eigentlich bemerkte. Seine Sinne waren wie von einem feinen, unsichtbaren Spinnweb belegt, das ihn immer mehr einengte.
Er trank einige Cognacs und ließ sich dann eine Flasche Sekt bringen. Das half aber nur dazu, dass er das Fach seiner Brieftasche wechselte und zu den Tausendern griff. Er hatte sie nachmittags von der Bank geholt.
Sein Spielpech wurde unwahrscheinlich. Hatte er gute Karten, so war es ihm, als ob aus irgendeinem in Dunkel gehüllten Winkel seines Innern heraus eine mahnende Hand sich auf seinen Mund legte. Er verließ die Höhe seiner Einsätze und nannte eine geringfügige Summe.
Der alte Herr sollte nun die Bank weitergeben. Aber er erbot sich, Hull zuliebe, sie noch zu behalten. Er sagte:
»Wenn die Herren einverstanden sind, so behalte ich die Bank noch einige Runden. Sie sehen, wie sich vor mir das Geld häuft. Ich bin der Gast Ihres liebenswürdigen Klubs. Tragen Sie meinen peinlichen Gefühlen gegenüber Herrn Hull Rechnung, und gestatten Sie mir, worum ich Sie bitte.«
Aber obgleich dies in bescheidener Redeform gesagt wurde, klang es doch herrisch, jede Abweisung abwehrend.
Der Klubdiener beäugte den Gast argwöhnisch. Aber er spielte mit den Karten, die der Klub selbst stellte und die stets eben erst aus der Hülle gebrochen wurden.
Das Spiel fesselte den Kreis. Man trank auch viel. Ein leichter Rausch umgarnte den Tisch. Der Gast schloss sich beim Trinken nicht aus. Er benahm sich in keiner Weise auffällig. Er hatte einen ruhigen Blick, der lange in jedem Auge verweilte, das ihn anschaute, große graue Augen, die etwas Herrencharakteristisches hatten und die das Spiel kaum zu begleiten schienen. Seine Hände waren groß, massiv und ruhig, als wären sie aus Holz. Den andern, viel jüngeren, zitterten schon die Finger vom Widerschein innerer Erregtheit.
Hull spielte weiter, obgleich er spürte, wie seine Tasche immer dünner wurde.
Was ist los?, fragte er sich immer. Er wollte aufstehen und ein Spiel auslassen, um an einem Fenster Luft zu schöpfen und einmal in die Stille der Nacht hinauszuschauen, aus der er einen Strom von Ruhe für sich selbst zu atmen hoffte. Aber er saß wie gefesselt auf dem Leder, presste die Ellbogen auf den roten Filz, und alle Gedanken fielen unbeherrscht aus ihm in eine Leere, wie in die Dimensionslosigkeit eines Schlafs.
Sonst war er nicht gerade ein leichtsinniger Spieler. Er überlegte, verfolgte den Gang des Glücks und war stets bereit, ihn auszunutzen, wenn er ihm günstig war, oder sich zurückzuhalten, wenn ein anderer an der Reihe war.
Doch an diesem Abend kannte er bald keine Hemmungen mehr. Kein Schein hatte einen Wert für ihn. Ja, es war fast, als ob er mit Lust verlöre. Mit Genuss sah er seine Scheine hinüberwechseln. Es musste nur immer etwas geschehen. Man teilte die Karten viel zu träge. Man verzögerte endlos das Nennen der Einsätze. Das Geld schlich um den Tisch für ihn wie kranke Kröten.
Dazu trank er, und alle Sinne, über die er die Herrschaft verloren hatte, wurden feurig wie Vollbluthengste, die auf einer Heide dem Kutscher durchbrennen. Sie rannten mit ihm in eine Wüste. Es gab keinen Menschen und keinen Weg mehr. Ja, die Luft schien weggeatmet. Er fiel nur hin im Spiel.
Man begann sein Pech zu besprechen. Er bekam schlechte Karten, das war gewiss, aber er spielte auch schlecht. Er war unvernünftig. Man begann von befreundeter Seite aus das Spiel zu zügeln und sprach von letzten Runden.
Hull erfasste das Wort zuerst nicht. Man musste es ihm begreiflich machen. Da lehnte er sich auf. Er wurde unvermittelt jähzornig, schrie und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Das große Auge des Unbekannten zog sich da leicht etwas von ihm und den andern zurück, und es schien, als glitte es nach innen. Leise erlosch etwas von dem Glanz. Der Gast legte die Karten hin und stopfte das Geld in die Tasche; doch tat er das nur so nebensächlich, als sei es ein Taschentuch. Es stand aber noch eine Runde.
Hull schrie:
»^Va banque!^«
Der alte Herr gab die Karten. Hull deckte die seinigen rasch für sich auf. Er hatte 21.
Da geschah etwas in ihm, etwas ganz Unverständliches, Widersinniges... er warf seine Karten mit den Bildern nach unten auf das Paket der andern, beiseite geschobenen und rief:
»Ich habe wieder verloren.«
Rasch deckte der alte Herr seine Karten auf. Sein Auge erflammte wieder, hastig und blitzschnell verlöschend. Er zählte die Summe, nannte eine Zahl und warf seine Karten mitten auf den Tisch.
Hull geschah es, als fiele er von einem schwankenden Brett, das irgendwo in einer Finsternis schwebte, in unsichtbare Dinge hinab.
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