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AI Voice AudioBook: Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens by Ernest Jones

AudioBook: Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens by Ernest Jones

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Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens

Von Prof. Dr. Ernest Jones.

Einleitung.

In der folgenden Veröffentlichung wurde der Versuch gemacht, den Eindruck, den die Erfahrungen des Alpdrucks auf die Bildung gewisser falscher Vorstellungen hervorriefen, festzustellen. Diese Vorstellungen haben viel Gemeinsames, sie erreichten alle ihren Höhepunkt zur selben Zeit, ungefähr zwischen 1450 und 1750; ihre ursprüngliche Gestalt wird von Vielen, ihre wesentlichen Elemente werden von einer noch größeren Anzahl festgehalten. Die tiefste Quelle ist bei allen die gleiche und sie alle haben eine unberechenbare Summe von menschlichen Leiden verursacht.

Um einen klaren Ausblick zu erlangen, war ich manches Mal gezwungen, das Hauptthema zu verlassen, obwohl ich dies, so weit als möglich, vermieden habe. Lange sagt (Geschichte des Materialismus, 1866, S. 282): »im geschichtlichen Zusammenhange der Dinge schlägt ein Tritt tausend Fäden, und wir können nur einen gleichzeitig verfolgen. Ja, wir können selbst dies nicht immer, weil der gröbere sichtbare Faden sich in zahllose Fädchen verzweigt, die sich stellenweise unserem Blicke entziehen.«

Ich habe meine Aufmerksamkeit nicht so sehr auf die historischen Seiten der betreffenden Vorstellung gelenkt, als auf ihre tiefste psychologische Bedeutung. Selbst auf diesem eingeschränkten Feld konnte ich nur einen sehr kleinen Teil des außerordentlich großen brauchbaren Materials behandeln; daher kann ich kaum annehmen, daß die ausgesprochenen Schlüsse als bewiesen angesehen werden, doch hoffe ich, sie genügend wahrscheinlich gemacht zu haben, um zu zeigen, daß der Gegenstand einer eingehenderen Untersuchung vom überlegenen Standpunkt der modernen psychoanalytischen Kenntnis aus wert ist. Angst und Zwang waren immer die beiden größten Geißeln der Menschheit und die hier untersuchten Vorstellungen gehören zu ihren verhängnisvollsten Folgen. Wenn man sich erinnert, daß diese Kräfte heute ebenso wirksam sind als im Mittelalter, wenn auch ihre Äußerungen nicht so sichtbar zu Tage treten, wird man zugeben, daß der Gegenstand des aktuellen Interesses nicht entbehrt.

I. Traum und Glauben.

Das Interesse, das die Menschen zu allen Zeiten an den Träumen nahmen, und die weitreichende Bedeutung, die ihnen zugeschrieben wurde, machen es sehr wahrscheinlich, daß die dabei erlebten Phänomene einen bedeutsamen Einfluß bei der Gestaltung der Meinung des Wachlebens ausübten. Wenn dies, wie ich gezeigt habe, heute unter Gebildeten der Fall ist, so muß es in vergangenen Zeiten, wo die allgemeine, den Träumen zugeschriebene Bedeutung weit größer war als heute, viel wirksamer gewesen sein. Die Lebhaftigkeit der Träume ist zu Zeiten so groß, daß auch Gebildete es schwer oder unmöglich finden können, sie von wirklichen Erlebnissen zu unterscheiden.

Ich habe einen Fall erwähnt, in dem ein Arzt fälschlich einen Traum für eine wirkliche Erinnerung ansah und dies zu peinlichen Folgen führte. Tatsächlich ist diese Vermengung mit der Wirklichkeit charakteristisch für alle intensiven Gemütserlebnisse, und zwar nicht nur für Träume, sondern auch für andere, seltenere Äußerungen der Phantasie, wie z. B. ekstatische Trancen, Visionen und dergleichen. Johannes Müller bemerkt in diesem Zusammenhang: »Eigentümlich diesen krankhaften Zuständen ist es, daß die Objektivität der Erscheinungen zuverlässig anerkannt wird. In dem Glauben eines sichtbaren Umganges mit dem Teufel besteigt der Angeklagte den Scheiterhaufen, ein Opfer seiner eigenen Phantasie. Je nachdem die Vision die Gestalt eines guten oder bösen Geistes annahm, wurde der Dämonische als heilig verehrt oder als Zauberer verbrannt. Was bei dem Unbefangenen das Eigenleben der Sinnlichkeit, das Spiel einer dichtenden Phantasie, was allen Menschen im Traume nicht mehr wunderbar erscheint, wird in der Geschichte verflucht und verehrt nach der Natur seiner Objekte. Das Gespenst und die Dämonen aller Zeiten, die göttliche Vision des Asketen, die Geistererscheinung des Magikers, das Traumobjekt und das Phantasiebild des Fiebernden und Irren sind eine und dieselbe Erscheinung. Nur der Gegenstand ist verschieden nach der Richtung einer exzentrischen Phantasie, eine göttliche Vision dem religiösen Schwärmer, dem furchtsamen ein furchtbares Phantasma, dem abergläubisch buhlerischen Weib der Teufelsspuk, dem träumenden Egmont die Erscheinung der Freiheit, dem Künstler ein himmlisches Idol, nach dem er längst gerungen. Der Zeitgeist leiht diesem plastischen Einbilden andere Objekte.«

Diese Schwierigkeit, den Traum von den Erfahrungen des Wachlebens zu unterscheiden, ist bei wehrlosen Geistern, wie bei Kindern und Wilden, natürlich größer. Die außerordentliche Schärfe, mit der die Erfahrungen des Traumlebens sich dem Geiste der

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