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AI Voice AudioBook: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 by Various

AudioBook: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 by Various

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Redaction des Anzeigers.

August Essenwein, Dr. phil., I. Direktor des germanischen Museums.

Georg Karl Frommann, Dr. phil., II. Direktor und Vorstand der Bibliothek.

Beiträge zu vorliegendem Bande haben geliefert:

Baist, G., Dr. philos., in Döckingen.

Bezold, F. v., Dr., Privatdozent, in München.

Bischoff, Bruno, in Prag.

Blaas, C. M., Gymnasialprofessor, in Stockerau (Niederösterreich).

Bösch, Hans, Sekretär des german. Museums.

Eye, August von, Dr., in Berlin.

Franck, Joh., Dr., Subrektor, in Edenkoben.

Friedländer, Julius, Direktor des kgl. Münzkabinets in Berlin.

Gebert, C. F., Numismatiker, in Nürnberg.

Göcke, R., Dr. philos., in Schleswig.

Gradl, Heinrich, städt. Archivar, in Eger.

Hach, Th., Dr. jur., in München.

Häser, H., Dr., Prof., geh. Medizinalrath, in Breslau.

Hohenlohe-Waldenburg, Fürst Friedrich Karl, Durchl., in Kupferzell.

Hövel, Freih. v., Premier-Lieutenant im k. Jäger-Bataillon 8, in Zabern.

Huemer, Joh., Dr., k. k. Gymnasiallehrer, in Wien.

Jacobs, Ed., Dr., gräfl. Stolberg’scher Bibliothekar und Archivar in Wernigerode.

Joachim, Dr., Archivsekretär, in Idstein.

Loose, Wilh., Dr., Rektor der Realschule in Meißen.

Mörath, A., fürstl. Archivassessor, in Schloß Schwarzenberg.

Mummenhoff, Ernst, Sekretär am k. Kreisarchiv zu Nürnberg.

Rübsam, Joseph, Dr., k. Gymnasiallehrer, in Fulda.

Schepß, Dr., k. Studienlehrer, in Würzburg.

Schneider, Friedrich, Dompräbendat, in Mainz.

Schultz, Alwin, Dr., Professor an der Universität zu Breslau.

Teutsch, G. D., Dr., Superintendent der ev. Landeskirche A. B., in Hermannstadt.

Thomas, G. M., Dr., Univers.-Prof. u. Oberbibliothekar, in München.

Wattenbach, W., Dr., Professor an der Universität zu Berlin.

*Wer


Zur mittellateinischen Spruchpoesie.

(Zweites Heft.)

II.

Das mittelalterliche Latein bedarf, wie jede Sprache, einer eingehenden Behandlung seiner Dialekte, welche in der Mehrzahl der Fälle die Dialekte der Litteratur, d.h. der litterarischen Sprache selbst sind. Wir haben noch keine Geschichte der lateinischen Schriftsprache, und erst die Bearbeitung der Dialekte wird diese uns liefern können. Die Dialekte der Schriftsprache sind jene der Dialekte überhaupt, die durch die Litteratur ihre Verbreitung und ihre Richtung erhalten haben. In denjenigen Dialekten, die keine litterarische Form gewonnen haben, ist oft eine weit größere Freiheit des Ausdrucks zu beobachten als in den litterarischen.

Die mittelalterliche Latein ist in ihrem Gebrauch so mannigfaltig, dass man nicht einmal von einer mittellateinischen Sprache sprechen kann, sondern von einer Anzahl von Sprachen, die mehr oder weniger mit dem späteren Latein verwandt sind. Das lateinische des Mittelalters ist nicht die Sprache der gebildeten Römer, sondern die derjenigen, die sie nachzuahmen sich bemühten.

Die mittellateinischen Handschriften sind oft durch schlechte Grammatik, Orthographie und Syntax gekennzeichnet. In der Regel ist der lateinische Text durchsetzt mit volkssprachlichen Elementen.

Einige Gelehrte, wie z. B. Pignorius, haben geglaubt, dass man in den Handschriften einen festen Kern von lateinischer Sprache finde. Aber diese Anschauung ist falsch. Die handschriftlichen Aufzeichnungen sind nicht alle lateinisch, sondern eine Mischung aus verschiedenen Sprachen.

Man muss sich von der irrig irrigen Vorstellung entfernen, dass das Mittelalter nur eine Zeit des Verfalls gewesen sei. Im Gegenteil, es war eine Zeit der großen geistigen Bewegung. Wir haben in Deutschland eine Menge von Handschriften, die uns zeigen, wie das Latein lebendig erhalten blieb.

Die mittellateinische Spruchpoesie ist ein wichtiges Feld für die Erforschung der Sprache. Sie bietet eine Fülle von Ausdrücken und Wendungen, die in der klassischen Litteratur fehlen. Diese Dichtung ist oft derber und unmittelbarer als die gelehrte Prosa.

Zur mittellateinischen Spruchpoesie (II. Teil)

Die Volkssprache drang früh in die lateinische Dichtung ein, besonders in die Schulpoesie, wo der Lehrstoff oft mit lateinischen Versen vermischt wurde, die der Volkssprache nahestanden, um den Schülern das Verständnis zu erleichtern. Auch in der kirchlichen Poesie sehen wir diese Durchmischung.

Die sogenannten „Glossen“ sind wichtige Zeugen für das Nebeneinander von Latein und Volkssprache. Sie sind nicht nur Übersetzungen, sondern oft auch Kommentare und Erklärungen, die in der Muttersprache abgefasst sind.

Die Sententiae oder Dicta sind eine Form der Spruchdichtung, die sich großer Beliebtheit erfreute. Sie bestehen meist aus kurzen, oft moralisierenden oder didaktischen Versen.

Einige dieser Sprüche sind sehr alt und wurden über Jahrhunderte hinweg tradiert, wobei sie sich geringfügig änderten. Die sprachliche Form ist oft ein Spiegelbild der Übergangszeit vom klassischen zum späteren Latein.

Betrachten wir einige Beispiele aus verschiedenen Regionen.

Aus Bayern stammt ein Spruch, der die Flüchtigkeit des Glücks thematisiert:

Fortuna, vanitas, amor, Haec tria pereunt sicut fumus.

Dieser kurze Vierzeiler zeigt die Tendenz zur Vereinfachung der Syntax und zur Verwendung von Wörtern, die im Volk schon gebräuchlich waren.

In Frankreich finden wir ähnliche Tendenzen, oft mit stärkeren romanischen Einflüssen. Ein bekanntes Beispiel ist der Dicta Desiderii:

Si mundus plenus esset virtutibus, Non haberet homo opus testamentis.

Hier sehen wir eine syntaktische Konstruktion, die typisch für das sich entwickelnde Romanisch ist, nämlich die Vermeidung des Konjunktivs, wo dieser im klassischen Latein zwingend wäre.

Die Kompilationen mittelalterlicher Sprüche sind oft nicht einheitlich, sondern Sammelwerke verschiedener Provenienzen. Die Handschriften sind häufig mit Miniaturen oder Randzeichnungen versehen, die den Inhalt illustrieren oder kommentieren.

Die Untersuchung dieser Spruchsammlungen erlaubt es uns, die genauen sprachlichen Schichten zu bestimmen, die im mittelalterlichen Latein wirksam waren. Es ist ein Mosaik aus Restlatein, kirchenlateinischen Einflüssen und frühesten volkssprachlichen Färbungen.

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